Der Wecker steht wieder auf früher und ich wache wieder noch früher auf, diesmal schon halb 7. Das bedeutet einen sehr müden Start in den Tag, aber dafür kann ich mich noch im Bett kurz um das Handyspiel kümmern. Bürotage machen wirklich, dass meine Alltagsroutinen ausfransen – ich komme wenig zu Haushaltsdingen, trinke zu wenig über den Tag und müsste auch mal wieder Wäsche waschen. Nun ja, morgen dann. Heute jedenfalls geht es wieder ins Büro, diesmal mit der Tram, denn ich werde abends noch easy auf mein Schrittziel kommen und mit der Tram geht es in der Hälfte der Zeit und eh nicht ohne Fußweg, so dass ich auch noch eine Ladung Vitamin D mitnehme. Diesmal streikt der Kopfhörer dann auch erst auf den letzten 100 Metern.
Im Büro angekommen kurze Begrüßungsrunde, Kaffee, Müsli, Obst schnippeln und dann an den Schreibtisch. Als erstes habe ich einen Call mit einem Kollegen von der IT in Indien, der mir bei einem technischen Problem hilft. Ich muss ein paar Mal ob der kulturellen Unterschiede schmunzeln. Zum Beispiel schreibt er mich eine Minute vor dem Call an, ob wir früher loslegen können und bis wir uns dann beide eingewählt haben, ist es sowieso 10. Ich nehme an, das liegt an der „Indian Standard Time“ und normalerweise wäre er erst fünf Minuten später da gewesen. Aber bei Terminen in meinem Arbeitskalender, von denen es so viele mit so vielen verschiedenen Menschen gibt, bin ich sehr deutsch und mindestens pünktlich wenn nicht überpünktlich, weil sonst das ganze Konstrukt ins Wanken gerät. Kommunikativ gab es auch ein paar Besonderheiten, aber da bin ich ja nach 2,5 Jahren mit einem pakistanischen Mitbewohner gestählt.
Als mein Problem gefixt ist und der Kollege nicht mehr per TeamViewer auf meinem Laptop zugange ist, lese ich meine E-Mails und Nachrichten, bevor es ins nächste Meeting geht – zu dritt vor Ort plus Biesdorf und Charlottenburg zugeschaltet. Eine Stunde lang geht es zügig und produktiv durch diverse Themen, danach noch etwas Smalltalk und Geplänkel und am Ende alles schriftlich eintüten. Damit bin ich dann fast bis 13 Uhr beschäftigt, als es wieder wie gestern zum Vietnamesen geht – heute nehme ich die Pho Ga und gerade merke ich, dass mein Fotografieren so unauffällig war, dass ich nichtmal richtig abgedrückt habe und kein Foto auf meinem Handy ist. Mist.
Nach dem Essen besprechen wir noch schnell etwas zu dritt, danach habe ich anderthalb Stunden Freiraum im Kalender. Eigentlich hatte ich vorgesehen, jetzt den Büro-Weihnachtsbaum abzuschmücken, die Deko wegzuräumen und den Baum nach unten zu bringen, aber das haben zwei liebe Kollegen schon am Vormittag erledigt. Also kann ich tatsächlich einfach meiner Arbeit nachgehen. Den Nachmittag verbringe ich damit, Feedback zu verschiedenen Projekten zu geben, zwei Übersetzungen fertigzustellen, Termine in verschiedenen Kalendern glattzuziehen, eine Präsentation für nächste Woche vorzubereiten und verschiedenen anderen Themen hinterherzujagen. Unterbrochen wir das Ganze nur von zwei Meetings – eins mit Chicago und eins mit Chicago und Madrid. Ein drittes, ebenfalls mit Chicago und Madrid, aber mit anderen Personen, wird auf Freitag verschoben.
Kurz nach 18 Uhr mache ich Feierabend, packe meine Sachen zusammen und fahre mit der U-Bahn zum Yoga. Die heutige Session ist ein bisschen anders aufgebaut, aber sehr gut und und nur ab und zu kurz ein wenig anstrengend. Beim Shavasana döse ich wieder eher weg, als richtig zu meditieren, aber das ist dann wohl nötig.

Dann laufe ich nach Hause und erreiche dabei mein Schrittziel. Gegen halb 10 angekommen gibt es erstmal Abendbrot für die Katzen und mich. Sie bekommen Truthahn in Gelee und ich Brot mit Leberkäse und Apfelmeerrettich, Fenchel zum Knabbern und Rucola mit Olivenöl-Zitrone-Ahornsirup-Dressing, dazu Pfefferminztee.

Ich telefoniere ausführlich mit dem Liebsten (davor heute nur dreimal kurz) und hänge dann müde auf dem Sofa rum. Kurz Italienisch-App-Streaks retten, Handy spielen, nebenbei Hörbuch hören… Gegen 23 Uhr schleppe ich mich müde ins Bett und stelle den Wecker für morgen auf eine halbe Stunde später als normal.