Nach zwei Tagen Büro finde ich wieder: Endlich wieder Homeoffice. Direkt mit Anziehen der Jogginghose gefeiert. Morgens gibt es Müsli mit Apfel und Hafermilch und Espresso mit Hafermilch. Der Tag ist meetingarm – ein wöchentliches wird durch ein kurzes Telefonat ersetzt, ein monatliches (mit Madrid, London, Chicago und Dallas) findet statt, danach noch ein spontanes mit Paris. Ansonsten gibt es eine Menge zu tun, den Tag über. Ich lektoriere ein langes Dokument (und eine kurze Übersetzung, und einen kurzen Text), ich baue eine neue Seite ins Intranet, ich koordiniere mit einem Kollegen in Brasilien eine Landingpage, ich bereite für die Kollegin in Südengland eine Kommunikation an die Teams in London und Bristol vor (für die Britishness der Sprache nochmal durch ChatGPT gejagt), ich übertrage Daten von einem Working-Dokument in ein Live-Dokument, stelle dabei fest, dass beide irgendwie zerschossen sind und setze sie neu auf (und passe dann die Links zu beiden an diversen Stellen an), ich suche mir Termine zusammen und trage sie in Kalender ein, ich beantworte die Mail eines guten Freundes des verstorbenen Kollegen, der Hilfe bei Papierkram braucht, die mit dem Job des Kollegen zu tun haben, ich stehe Gewehr bei Fuß für spontane Anfragen meiner Chefin, die beim Offsite der C-Suite in Prag weilt… Lauter so Zeug.
Mittags esse ich eine Probierportion der Nudeln mit Salsiccia und Peperoni, die der Mitbewohner sich gestern Abend gemacht hat und gehe dann nach draußen zu Sonne und Schnee. Ich bringe jede Menge Müll weg, gebe dann die Pfanddose vom Banh Mi neulich zurück und gehe neues Katzenstreu holen. Auf dem Heimweg finde ich die Betriebskostenabrechnung vom letzten Jahr im Briefkasten – wie immer überpünktlich. Das Gute: Ich muss nichts nachzahlen, sondern im Januar sogar weniger, um das Guthaben zu verrechnen. Ab Februar steigen aber die Betriebskostenvorauszahlungen (die für die Heizkosten nicht). Sehr vorbildlich passe ich direkt noch den Dauerauftrag entsprechend an und hefte die Dokumente an die richtige Stelle, ich habe ja jetzt meinen Papierkram im Griff. Höhö. Als zweites Mittagessen gibt es dann Toast mit Hiddenseer Wildschweinleberpastete und saure Gurken aus dem Erdbeersud. (Ja, wirklich.)

Am Nachmittag kommt die Meldung, dass die Freundin, mit der wir morgen Abend in der Pizzeria verabredet sind, wahrscheinlich Scharlach hat und wir disponieren um. Ansonsten ist gegen 18 Uhr Feierabend (bis auf noch kurzen Austausch mit der Chefin in Prag). Ich setze mich erstmal kurz auf die Couch und chille, während der Mitbewohner zur Bandprobe aufbricht. Kurz danach werde ich aktiv und bereite mit Ofengemüse zu (Gelbe und rote Bete, Pastinaken, Möhren, Kartoffeln, Knoblauch, Olivenöl, mediterrane Kräuter). Als das im Ofen ist, kümmere ich mich um den Abwasch, siebe das Katzenklo durch und bearbeite drei Fensterfugen mit Anti-Schimmel-Spray – hallo Winter!
Dann endlich die Italienisch-Apps bedienen. So langsam bekomme ich Hunger und schalte dann neben der Ofenlampe auch noch die Temperatur an, hüstel. Ich beschäftige mich mit meinem Handyspiel bis das Essen fertig ist. Oben drauf kommt noch Tahini und es ist echt lecker und macht satt.

Ich gammle noch ganz schön lange auf dem Sofa herum, telefoniere zum zweiten Mal heute mit dem Liebsten (Sein Tag ist auch sehr voll und anstrengend), gratuliere meinen Eltern zum Jubiläum (vor 48 Jahren hatten sie ihr erstes Date) und dann bin ich gegen 11 im Bett. Gegen halb 1 habe ich mein Buch (Gerhard Dallmann – Dornenzeit. Ein Hiddensee-Roman) ausgelesen (erstaunlich fesselnd, das Hiddensee als das Meer noch den Tod brachte und nicht die Badegäste) und mache das Licht aus. Morgen ist ein neuer Tag, ein neuer Monat, ein neues Buch und Advent ist auch noch – hallo, Türchen!