20.07.2023 – WordPress-Flöz, Langwieriges und unverhoffte Natur

Der Tag beginnt mit Löwinnen-Toots auf Mastodon, die ich erst nach dem dritten oder so einordnen kann. Gut, dass das Teilzeitkind gerade im Urlaub auf einer Insel weilt, denke ich mir und schreibe ich denn Liebsten. Der ist auch schon von mehreren Stellen zum Thema angeschrieben worden. Sozialmedial ist das mal wieder ein großer Tag – leider habe ich keine richtige Zeit, selbst aktiv mit Wortspielen teilzunehmen. Ich habe Dinge zu tun und das nicht zu knapp. Nachdem Pflanzen und Tiere versorgt sind, mache ich mir Brioche mit zwei Sorten Marmelade zurecht, außerdem einen „Guten-Morgen-Tee“ mit Zitronengras, Zitronenverbene und Zitronenmelisse (merkt man, dass ich Zitrusfrüchte vermisse?) und eine Kanne Pfefferminztee für den Tag.

Dann sitze ich am Laptop und schreibe schon mal eine wichtige E-Mail vor, die ich gestern Abend gerne verschickt hätte, es fehlten aber noch letzte Abstimmungen und die dafür wichtigen Personen waren nicht zu erreichen. Dann habe ich ein kurzes Meeting mit Paris, Valencia und Dublin und direkt hintendran dann mit Lichtenberg. Wir diskutieren noch einmal, passen die E-Mail ein wenig an und dann geht sie raus. Jetzt ist es Zeit, mich an das andere wichtige Projekt heute zu setzen. Ich tauche tief ein in ein WordPress-System, von dem ich bis vor ein paar Monaten nur einen winzigen Teil kannte und nutzte und seit ein paar Monaten ab und zu mal was mit einem anderen Teil zu tun hatte – alles immer noch nur sehr oberflächlich.

Ich kenne mich ja nicht aus. Ich nutze für dieses Blog ein sehr einfaches WordPress-Setting mit nur minimal angepasstem Fertigbausatz-Theme. Ansonsten habe ich ein Grundverständnis von HTML, mit dem ich in den späten 90ern und frühen 00ern private Homepages basteln konnte, aber schon bei CSS war ich damals raus. Hier nun also ein eher komplexeres WordPress-Ding (Christian würde wahrscheinlich nur kurz lachen), bei dem es aus Gründen nun mir zufällt, eine bestimmte Schriftart zu entfernen und gegen eine andere zu ersetzen. Eine Kollegin hatte damit schon mal angefangen, kannte sich aber augenscheinlich noch weniger mit sowas aus als ich.

Jedenfalls verbringe ich jetzt mehrere Stunden – fast den ganzen Arbeitstag – damit, sämtliche Unterseiten und Posts durchzugehen, zu kontrollieren und nach Möglichkeiten zu suchen, die Schriftarten anzupassen. In den tatsächlichen Code muss ich am Ende nie (das sieht auch alles anders aus als damals vor 25 Jahren), aber man glaubt gar nicht, wie viele verschiedene Stellschrauben man da finden und drehen kann und in wie vielen verschiedenen Editoren – am laufenden System und hoffentlich ohne etwas kaputt zu machen. Neben den reinen Texten und dem Theme an sich, muss ich auch jede Menge Grafiken entfernen, auf denen die Schriftart verwendet wurde, was dann wieder andere (Design-)Probleme nach sich zieht. Ich treffe Entscheidungen und muss dann z. B. über 200 Posts durchgehen und ggf. daraufhin anpassen.

Am Ende sieht die Seite deutlich anders aus als vorher, immer noch gut (genug, der ursprüngliche Webdesigner sieht das vielleicht anders) und ohne die Schriftart. Das muss jetzt so für die nächsten Wochen gehen, bis es sowieso einen Relaunch in einem anderen CMS gibt – mal sehen, wie oft und ob ich mit dem dann auch zu tun haben werde. Jedenfalls habe ich über all dem irgendwie vergessen, rechtzeitig Mittagspause zu machen und die dann erst später nachgeholt. Es gibt Kopfsalat mit Radieschen und einem Tahini-Dressing und zum Nachtisch die letzten beiden Cupcakes, dazu Löwinnen-Updates.

Nach der Mittagspause weiter mit WordPress und dann auch wieder weiter in Angelegenheiten der E-Mail von heute morgen, die Telefonate und weitere Abstimmungen nach sich zieht. Während des einen Telefonats kann ich zumindest die Katzenklos durchsieben. Dann nochmal zwei wichtige E-Mails schreiben und dann ist zumindest offiziell Feierabend. Inoffiziell muss ich weiter gucken, ob noch Antworten kommen und falls ja reagieren. Vor diesem Hintergrund beschließen der Liebste und ich, unsere heutige Date Night zu verschieben, so ganz entspannt wird das sonst nicht. Dafür telefonieren wir erst einmal ausführlich und berichten uns von unseren stressigen Tagen.

Danach lade ich dann erstmal Telefon und Kopfhörer auf und telefoniere mit meinen Eltern. Wir bringen uns auf den neusten Stand und stimmen Termine ab. In anderen Familien-News ist mein Bruder gut im Yukon angekommen und meine Oma wäre heute 101 geworden. Nach dem Telefonat mache ich mir Abendbrot. Es gilt Reste aufzubrauchen und dabei möglichst histaminfrei zu bleiben. Besonders kreativ bin ich dabei aber nicht und ob es angesichts des „Reste“-Vorzeichens wirklich so histaminfrei ist, ist auch noch die Frage. Wirklich leicht verdaulich ist es dann jedenfalls nicht, wie ich feststellen darf: Ich werfe ein zerkleinertes und in Wasser eingeweichtes altbackenes Brötchen mit einer kleinen Zucchini, einer gelben Paprika, einer grünen Paprika, einer Zehe Knoblauch, einem Schwapps Olivenöl und einer großzügigen Prise Meersalz in den Mixer und habe dann zwei große Schüsseln voll Gazpacho zu löffeln/trinken. Dabei entspanne ich mich soweit, dass ich das erste Foto des Tages mache. Im Hintergrund läuft die sehr unterhaltsame „Böhmi brutzelt“-Folge mit Anke Engelke. Beide Gerichte darf ich derzeit nicht essen, hmpf.

So ungefähr alle 10 Minuten schaue ich, ob es eine Reaktion auf die E-Mail gab, aber Spoiler: Da kommt nichts mehr heute. Irgendwann kurz nach 20 Uhr raffe ich mich zu einem Spaziergang auf. Gestern habe ich das Schrittziel nicht erreicht und heute habe ich gerade mal knapp über 1500 Schritte auf der Uhr. Also Podcast auf die Ohren und ab nach draußen!

Ich laufe gute anderthalb Stunden durch die Gegend – erst relativ zielgerichtet bis zum Park, dann aber dort andere Wege als sonst und dann wieder zielgerichtet zurück. Und dann steht man mitten in Berlin halt plötzlich mitten in der Natur (ohne Löwin) und kann das erste Mal heute so richtig durchatmen und loslassen:

Auf dem Heimweg telefoniere ich noch ein weiteres Mal mit dem Liebsten. Zuhause angekommen geht es dann nochmal auf die Couch – zum hundertsten Mal nach der E-Mail gucken, Katzen kuscheln, Tee austrinken, bisschen TikTok… Gegen 23 Uhr mache ich mich schließlich bettfertig.

19.07.2023 – Uff-Tag

Die Nacht ist unruhig, immer mal wieder wache ich auf und liege eine Weile wach. Bei einer der Gelegenheiten versuche ich, mich wieder schläfrig zu lesen. Nicht mit Noosa! Die ist sehr an meiner Aufmerksamkeit und an Körperkontakt interessiert und legt sich immer genau zwischen mein Gesicht und den Kindle, flauscht sich an mein Gesicht und schnurrt laut – auch bei mehrmaligem Seitenwechsel. Ich gebe also das Lesen auf, mache die Augen zu und döse langsam weg – als Noosa das merkt, steht sie auf – ist ja langweilig jetzt – und springt vom Bett, was mich dann wieder hellwach macht. Niedliches Biest, die!

Jedenfalls bin ich ziemlich müde als der Wecker klingelt und mache mich nur widerstrebend fertig fürs Büro, inkl. Rooibos-Mate to go und histaminarme Stulle schmieren fürs Mittagessen. Als ich losgehe, habe ich noch den Gedanken, wieder ins Büro zu laufen – Schrittziel! Challenge! – aber schon nach wenigen Schritten entscheide ich mich für die Tram. Meine Beine sind irgendwie ganz schwer heute und das wäre wirklich anstrengend.

Im Büro angekommen werde ich fast direkt von einem Kollegen beschlagnahmt, Ich kann mir vorher gerade noch Milch ins Blaubeermüsli schütten. Wir besprechen ein Thema ausführlich, zwischendurch rufe ich noch jemand anderes an, dann reden wir weiter… und haben dann nach etwa zwei Stunden einen Schlachtplan. Dann komme ich dazu, meine E-Mails zu lesen und einige zu beantworten, bevor ich einen Call mit Warschau habe. Daraus folgen weitere Absprachen per Chat und dann ist es auch schon langsam Zeit für die Mittagspause.

Mit einem Kollegen bringe ich zwei leere Getränkekästen in den Supermarkt nebenan und kaufe dann von dem Pfandgeld Eis für die Büromannschaft, was dankend angenommen wird. Dann sitzen wir noch mit anderen in der Küche, während ich meine Stulle plus Gurke und Radieschen mümmele.

Nach der Pause geht es direkt ins nächste Meeting – vier vor Ort, einer aus Polen zugeschaltet. Wir überziehen um eine halbe Stunde, dann verabschieden sich drei und wir holen vor Ort noch eine Person dazu. Dann haben wir auch hier ein Ergebnis. Während ich jetzt noch auf Rückrufe warte, meldet sich stattdessen meine Chefin mit einer überraschenden Nachricht, die die nächsten Wochen bis zum Urlaub noch sehr spannend werden lässt. Uff. So langsam bin ich durch mit diesem Tag.

Ich entscheide mich dann, nicht wie geplant noch zum Sport zu gehen, sondern direkt nach Hause. Und dann nach den ersten Metern wieder gegen das tatsächliche Gehen, sondern für die Tram. Kein Tag für körperliche Anstrengungen – ich nehme aber zumindest auf dem Weg von der Tram nach Hause noch einen kleinen Umweg, um wenigstens die 30 Minuten Aktivität für die Challenge voll zu bekommen.

Zuhause füttere ich die Katzen, nehme mir ein alkoholfreies Radler und setze mich in den Liegestuhl. Die nächste Stunde über durchstöbere ich die Essen-Bestell-Apps nach etwas, auf das ich Lust habe und das histaminarm ist. Meistens scheitert es an Tomaten, Soja oder irgendwelchen Saucen und Dips. Am Ende lande ich bei Kufta aus Rind und Lamm (semi-gut laut meiner App, da Hackfleisch generell problematisch sein kann, aber nicht zwingend Histamin enthält), Koriander-Kartoffeln und Labneh. Auch beim Labneh ist sich die App nicht sicher, es käme halt drauf an, welche Joghurtkulturen verwendet werden, aber ich habe da jetzt auch keinen Nerv mehr und bin froh, etwas halbwegs appetitliches gefunden zu haben.

Ich lege mich aufs Bett, telefoniere mit dem Liebsten und fange dann an, eine Folge Succession zu gucken. Nach einer Stunde ruft das Restaurant an, entschuldigt sich für die Verspätung und bietet mir zur Wiedergutmachung ein Getränk oder Baklava an und ich entscheide mich natürlich für Baklava. Gute 10 Minuten später ist das Essen dann da.

Bis auf das Brot esse ich alles auf und bin dann ganz schön voll für so spät am Abend – das Essen kam gegen viertel 10. Dieses Histamin-Dings fängt an zu nerven. Bisher habe ich diese Woche eher mehr Beschwerden als in den Wochen davor und es macht alles so schwierig, was nicht selbst zubereitet ist. Ich bin kurz davor, auf das Testen zu pfeifen und einfach normal weiter zu essen, aber das ziehe ich jetzt schon noch durch. Aber egal was am Ende rauskommt, ich werde nicht langfristig auf all die guten Sachen verzichten, höchstens die Aufnahme ein wenig moderieren. Gegen 22 Uhr nehme ich ein Lavendelbad zum Runterkommen und dann liege ich kurz vor 23 Uhr im Bett.

18.07.2023 – Ein brombeeriger Dienstag

Ich beginne den Morgen wie immer und da ich heute wieder einmal vor dem Weckerklingeln aufwache, auch mit der nötigen Ruhe und kompletten Morgenroutine. Zum Frühstück gibt es Skyr mit Haferflocken, Aprikosen und Blaubeeren und wieder dem Rooibos-Mate-Ersatz.

Den Vormittag über arbeite ich wieder im Balkon-Office. Ich beende die gestern angefangene Aufgabe und habe ein Meeting mit Potsdam, Lichtenberg, Biesdorf und Wilmersdorf. Zwischendurch immer wieder Katzenbespaßung. In der Mittagspause mache ich mir die Abendessenreste von gestern warm und esse nochmal Pellkartoffeln mit Brokkoli, veganer Sauce Hollandaise und Röstzwiebeln. Danach telefoniere ich mit meinem Bruder, der morgen auf eine Expedition aufbricht. Dann räume ich mein Balkon-Office ab und richte das Schreibtisch-Office ein. Die Katzen sind beim Arbeiten im Liegestuhl heute besonders hinderlich und außerdem fehlt mir der zweite Bildschirm. Bevor ich mich aber für den Nachmittag hinsetze, drehe ich draußen noch eine kleine Spaziergangsrunde und nasche ein paar erste Brombeeren direkt vom Strauch.

Mirabellenzeit ist auch schon, aber ich komme noch an meine einfach ran. Den Nachmittag über probiere ich ein neues Tool aus und schaue, ob das für unsere Zwecke passend ist. Zwischendurch habe ich zwei Meetings, eins mit Georgia und eins mit Nordengland. Dann ist auch schon wieder Feierabend. Ich ziehe mich fürs Yoga um und laufe los. Unterwegs hole ich mir noch ein Eis und wähle die vermutlich histaminfreien Sorten Birne und Brombeere. Seeehr lecker!

Beim Yoga ist es heute ganz schön voll, wir sind zu sechst im Raum, maximal eine Person hätte noch reingepasst. Ich hatte schon beim Herlaufen Schmerzen in den Beinen und das zieht sich auch durch die Yoga-Stunde. Bei einigen Asanas halte ich nicht bis zum Ende durch, andere (hallo, Taube!) kann ich heute gar nicht. Trotzdem gut, dass ich mitmache, obwohl ich beim Shavasana in Gedanken sehr wach und bei der nächsten Mahlzeit bin.

Ich laufe nach Hause, erreiche auf dem Weg mein Schrittziel und füttere zuhause als erstes die Katzen. Dann gibt es Stullen zum Abendbrot – Roggenbrot mit Frischkäse, vegetarischer Schinkenspicker (auf Sonnenblumenkernbasis, das erste Gelb in der Histamin-App heute), jungem Schafskäse und Gurke und dazu einen Apfel und eine Apfel-Ingwer-Schorle. Dann noch schnell Wäsche aufhängen, die neue Profi-Zahnseide ausprobieren, Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett!

17.07.2023 – Homeoffice und Histaminkarenz

Jetzt geht es also wirklich los, ab heute versuche ich, noch aktiver als bisher, diverse Lebensmittel zu vermeiden, um mal zu gucken, wie es meinem Körper ohne Histamin geht und falls es ihm dadurch deutlich besser geht, versuche ich danach vorsichtig auszuprobieren, was in welchen Mengen geht. Alles immer mit Versuch, denn Histamine sind ein komplexes Ding und nicht vollständig berechenbar, wenn man sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren will – was ich will.

In den letzten Tagen habe ich ja schon Ernährungstagebuch geführt und mich von einer App beschimpfen lassen, wenn ich zu viele „falsche“ Sachen gegessen habe – also solche mit viel Histamin, mit viel anderen -aminen oder solche, die potenziell Histaminliberatoren sind. Jedes Lebensmittel, jede Mahlzeit und jeder Tag wird mit grün, gelb, orange oder rot bewertet. Und das sind in dieser App keine Durchschnittswerte – ein gelbes Lebensmittel und Zack ist der ganze Tag gelb. Ich habe aber für diese Karenzzeit auch die höchste Sensibilitätsstufe eingestellt, wenn man weiter im Prozess ist, kann man das auch lockern.

Jedenfalls wird mein Tag heute schon mit dem Frühstück gelb – ich muss Cupcakes vernichten und da sind Pistazien drin und Nüsse sind in der App generell gelb wegen möglichen Kreuzallergien, auch wenn Pistazien kein Histamin enthalten. Das zweite Gelb des Tages kommt von der Feierabendlimo – aber da geht es um Zucker, der der Darmflora schadete nicht um Histamin, und die App hält halt Limonade generell für sehr zuckerhaltig, auch wenn das für meine Pflaume-Kardamom-Limo gar nicht so zutrifft. Ansonsten esse ich heute nur grüne Sachen – auch wenn ich der App nicht so ganz über den Weg traue, aber an irgendetwas muss man sich ja entlanghangeln.

Statt Tee, Kaffee oder Mate (Koffein ist als Histaminhemmer auch tabu) mache ich mir etwas ganz Wildes als Frühstücksgetränk. Es gibt Rooibos-Espresso, den mir meine Eltern mal aus Südafrika mitgebracht haben, aus der Moka, gesüßt mit Ahornsirup und dann mit Mineralwasser aufgegossen. Das schmeckt so merkwürdig, dass es auch eine Mate oder abseitige Limonade sein könnte und befriedigt so ganz gut das Verlangen nach einem ritualisierten Frühgetränk. Dazu wie gesagt zwei Cupcakes und noch ein paar Aprikosen.

Es gibt wieder Balkonoffice, zum Glück ist es nur noch normal warm (26 Grad oder so). Ich verbringe den Vormittag mit weiteren Recherchen und Abarbeiten von Kleinkram. Dann bringe ich den Grill zurück in den Keller, schwinge mich aufs Rad und fahre zu meiner Zahnärztin. Direkt habe ich wieder mit den Freuden des Radfahrens in der Großstadt zu tun – ein Auto zieht schräg vor mir über den Radweg hinüber, um abzubiegen, statt mir meine Vorfahrt zu gewähren. Ich war allerdings noch weit genug weg, so dass realistisch wohl nichts hätte passieren können, im Recht war ich trotzdem.

Auf dem Zahnarztstuhl läuft es wider Erwarten total gut – die Ärztin hat nichts zu beanstanden bis auf ein wenig Zahnstein, aber da ich ja eh zur Zahnreinigung gekommen bin, passt das. Kein Bohren, kein Röntgen, keine Nachfolgetermine… ein Traum. Auch bei der Zahnreinigung wenig Beschwerden. Ich muss noch ein wenig an meiner Technik arbeiten und die Zahnseide soll ich täglich benutzen, nicht nur alle zwei Tage, ansonsten ist man zufrieden mit mir. Ich dann auch. Ich fahre beschwingt zurück nach Hause, schließe mein Fahrrad an, schaue, ob ich arbeitstechnisch etwas Dringendes verpasst habe (Nein, ein Meeting um 14 Uhr ist inzwischen abgesagt) und mache mir dann zum Mittagessen den letzten gegrillten Maiskolben warm. Dazu gibt es Kräuterbutter, die letzte Focaccia und frische Gurke. Mittagspause mit dem Mitbewohner auf dem Balkon, wir besprechen die Katzensitting-Situation während meines bald anstehenden Urlaubs.

Zurück am Laptop bestelle ich schnell noch Katzenstreu und -futter nach, damit es da während meiner Abwesenheit keine Engpässe gibt. Dann weiter arbeiten. Um 15 Uhr habe ich ein Meeting mit Madrid und beschäftige mich danach direkt mit der Aufgabe, über die wir da gesprochen haben. Um 17 Uhr dann Team-Meeting mit denen, die nicht im Urlaub sind. Der Kollege aus Chicago ist an der Ostküste wandern, die Kollegin aus Paris ist mit einem Entwicklungshilfeprojekt in Malawi. Wir anderen besprechen, was diese Woche so ansteht, ich führe Protokoll und verteile hinterher Aufgaben im Projektmanagementtool.

Dann ist auch schon Feierabend. Ich telefoniere das zweite Mal heute mit dem Liebsten, danach gehe ich wieder nach draußen – Schrittziel vollmachen, in der Drogerie Besorgungen machen und nebenbei einen Podcast hören, in dem es um die frühen Jahre meiner Firma geht. Wieder zuhause geht es ans Kochen. Es gibt Pellkartoffeln mit Brokkoli, vegane Fertig-Hollandaise und Röstzwiebeln (die beiden letzten Dinge laut meiner App überraschend histaminfrei). Gegessen wird Internet lesend auf dem Balkon.

Während Kartoffeln und Brokkoli kochten, habe ich schon die Katzenklos durchgesiebt und bin dann jetzt mit meinen To Do‘s für heute durch. Mit dem Schrittziel allerdings noch nicht ganz, ich tanze also schnell noch drei Songs vorm Schlafzimmerspiegel durch, dann passt das auch. Jetzt bin ich hin- und hergerissen, ob ich lesen oder fernsehen soll und entscheide mich heldinnenhaft fürs Lesen. Dabei schlafe ich aber total schnell ein und bin erstmal eine halbe Stunde weg und danach nicht mehr wirklich zu etwas zu gebrauchen. Jedenfalls nicht zum mehr Lesen oder aufmerksam etwas Gucken. Also wische ich noch ein wenig durch TikTok und mache mich dann bettfertig. Licht aus ist halb 11.

16.07.2023 – Hochsommersonntag

Auf den heißesten Tag des Jahres folgte eine Tropennacht – es blieb die ganze Nacht über 20 Grad. Und trotz Verdunkelung seit Tagen hat sich mein Zimmer so aufgeheizt, dass der Liebste und ich (und die Katzen) nicht gut oder gar durchgeschlafen haben. Kurz nach 7 bin ich wach, zum Glück waren wir vor Mitternacht im Bett, so dass ich insgesamt recht ausgeruht bin. Der Liebste, der in der Nacht länger wachgelegen hat, schläft bis kurz vor 9. Als er wach wird, mache ich schnell Kaffee und hole kalten Orangensaft aus dem Kühlschrank. Da die Milch nur noch für einen Kaffee reicht, trinke ich meinen kleinen Schluck Espresso mit den Resten der gestern geöffneten Johannisbeerschorle und habe direkt wieder Festivalfeeling im Kopf.

Wir liegen und lesen und schreiben uns mit den Gäst*innen von gestern und für alles andere ist es eh viel zu heiß. Kurz nach 11 siegt dann der Hunger und wir stehen zu einem Restefrühstück auf (zwei Löffel Nudelsalat, gestern gegrillte Bratwürste und Halloumi, aufgebackene Focaccia, je ein Spiegelei und für mich zwei Cupcakes, dazu den Rest Orangensaft). Weil es auf dem Balkon zu warm ist, gibt es das Frühstück drinnen.

Nach dem Essen sitzen wir erst noch ein bisschen rum, dann räumen wir die restlichen Dinge von gestern an ihren Platz, der Liebste macht noch den Grill sauber und ich wasche Dinge ab. Dann spazieren wir ein Stück gemeinsam und ich bringe den Liebsten zur S-Bahn, mit der er in seine kühle dunkle Höhle fährt. Ich selbst kaufe am S-Bahnhof Erdbeeren, setze meine Kopfhörer auf und laufe dann mit Podcast auf den Ohren weiter bis zum Volkspark Friedrichshain. Dort lege ich mich unter einen Baum ins Gras und ruhe mich ein Stündchen aus, bis der Lieblingsnachbar mir ein Signal gibt.

Ich spaziere hinüber zum Krankenhaus und finde den Lieblingsnachbarn und die Freundin, die gestern absagen musste, auf einer Bank vor. Der Lieblingsnachbar hat Eis mitgebracht, ich Cupcakes und eben Erdbeeren. Wir haben einen etwa dreistündigen gemütlichen Plausch und reden zum Glück nur teilweise über Krankheiten. Kurz nach 18 Uhr bringen wir die Freundin noch bis zum Fahrstuhl und laufen dann gemeinsam durch den Park wieder gen Norden. Am Ende des Parks schwingt sich der Lieblingsnachbar auf sein Fahrrad und ich setze wieder die Kopfhörer auf und laufe nach Hause. So habe ich nicht nur das heutige Schrittziel erreicht, sondern auch die gestern fehlenden knapp 3000 Schritte noch nachgeholt.

Wieder zuhause bekommen zunächst die Katzen ihr Abendbrot. Dann bereite ich die Erdbeeren, die die Freundin nicht mehr in der Cupcake-Dose unterbringen konnte, fürs Einfrieren vor. Morgen beginnt meine histaminfreie (realistisch betrachtet histaminarme) Testphase und da sind Erdbeeren leider tabu. Ich vernichte dann gleich auch noch andere Lebensmittel, die sonst in den nächsten Wochen schlecht würden. Der Orangensaft ist schon heute morgen alle geworden, jetzt gibt es die letzte halbe Bratwurst (der Rest ist gestern ungegrillt eingefroren worden) mit unbedenklichem Maiskolben samt Kräuterbutter und Focaccia und irgendwie muss noch eine Dreiviertelflasche Grillo weg.

Ich mische den Wein mit Mineralwasser, Holunderblütensirup und Balkonminze und trinke zwei große Gläser Hugo auf dem Balkon. Dazu schaue ich erst eine Doku („Vom Wir zum Ich“), in der ein britisches Filmteam Jahre nach der Wende die Protagonist*innen wieder besucht, die sie 1987 für eine Doku in Rostock porträtiert hatten. Irgendwo läuft dabei ein Stück der Olsenbanden-Titelmelodie. Es kommt, was kommen musste: Als die Doku vorbei ist, schaue ich noch den ersten Olsenbanden-Film. Wir haben neulich mal festgestellt, dass es fast alle der Filme kostenlos oder für einen schmalen Taler auf Prime zu gucken gibt.

Gegen Ende des Films werde ich schon sehr müde (und Hugo-düsig) und räume nebenbei schon mal auf, putze mir die Zähne und lege mich ins Bett. Als der Film vorbei ist – kurz vor Mitternacht – klappe ich den Laptop zu und schlafe richtig ein.

15.07.2023 – Nachgeburtstagspicknick

Ich habe ja dieses Jahr trotz großer Zahl nicht groß Geburtstag gefeiert – nicht, weil mich die Zahl stört, sondern weil ich es irgendwie in den ersten Monaten des Jahres nicht auf die Reihe bekommen habe, mich intensiv mit der Planung zu beschäftigen und dann war es irgendwann zu spät. So sind wir an meinem Geburtstag in Familie essen gegangen und als zusätzliche kleine Feierei wollte ich dann zumindest noch ein gemütliches Picknick im Hof veranstalten und dann die große Party hoffentlich im nächsten Jahr machen.

Weil ich bei der Datumswahl nur auf meinen eigenen Kalender geachtet habe, fiel der Termin dann eben auf den ersten Sonnabend der Sommerferien, mit dem Ergebnis, dass wirklich wirklich wirklich viele der Eingeladenen bedauernd absagen mussten, weil sie da bereits im Urlaub sind oder zumindest die Kinder in den Urlaub bringen, wenn sie selbst noch ein bisschen arbeiten müssen. Andere hatten noch dringende Dinge vor Deadlines zu erledigen oder entschieden sich aufgrund der großen Hitze am bisher heißesten Tag dieses Sommers und ihrer kleinen Kinder, lieber zuhause zu bleiben. Dann gab es noch einen krankheitsbedingten Ausfall und am Ende schrumpfte die Gästeliste von mehr als 30 Eingeladenen auf fünf Personen außer dem Liebsten und mir zusammen.

Die letzten Absagen erreichen mich dabei noch am Morgen, der eh schon ungünstig beginnt, weil gegen 5 der Mitbewohner nach Hause kommt und gegen 6 Noosa mein Handy runterwirft und ich damit dann endgültig wach bin. Meine Stimmung ist daher erstmal gar nicht so gut – teils aus Enttäuschung, teils aus Sorge um das viele Essen, das wahrscheinlich übrig bleiben oder schlecht werden wird, weil es ja erstens heiß wird und zweitens ich mich ja ab Montag erstmal mindestens eine Woche so histaminarm wie möglich ernähren werde (und der Mitbewohner halal isst).

Bis etwa halb 10 bleibe ich im Bett liegen und widme mich ausführlicher Morgenlektüre und Sprachlernung. Dann stehe ich auf und gieße als erstes die Balkonpflanzen bevor es noch heißer wird. Ich werfe mir fix das Kleidchen von gestern über, füttere die Katzen und fange an, in der Wohnung klar Schiff zu machen. Kurz vor 10 meldet sich der Liebste mit Halskratzen aber negativem Covid-Test (zum Glück, das hätte mir noch gefehlt – mein letztjähriges Geburtagspicknick fiel ja aus, weil der Liebste und das Teilzeitkind Corona hatten, so aber erstmal alles nach Plan).

Ich nehme die Wäsche ab, räume den Geschirrspüler aus, räume die Fußböden leer und sauge dann ausführlich Staub (das Fell gefühlt mehrerer Katzen landet im Staubsauger, Nimbin und Noosa sehen trotzdem immer noch sehr flauschig aus). Es ist wirklich sehr, sehr heiß inzwischen. Ich bringe noch den Müll runter und dann ist erstmal kurz ausruhen angesagt. Ich frühstücke eine Mate und einen der Muffins von gestern Abend, die später Cupcakes werden sollen. Sind eh viel zu viele, wenn wir nur zu siebt sind.

Als der Liebste ankommt, setzen wir uns erstmal kurz hin und besprechen die Lage – nicht auf dem Balkon, da ist es inzwischen viel zu heiß, um sich aufzuhalten. Dann verschwinde ich in die Küche, um Nudelsalat zu machen und die die Muffins in Cupcakes zu verwandeln (einige friere ich vorher ein, für später) und der Liebste putzt inzwischen das Bad.

Zwischendurch gibt es immer wieder viel Wasser für uns und irgendwann gehe ich noch duschen und mir ein schickeres Kleid anziehen. Wir haben dann noch etwa 2 Stunden Zeit, bis die Gäst*innen eintrudeln könnten, warten noch auf die Getränkelieferung und schauen gespannt darauf, wie sich im Hinterhof langsam ein leichter Streifen Schatten aufbaut. Das war alles besser, als der große Birnbaum da noch stand, aber der wurde irgendwann in der Pandemiezeit wahrscheinlich wegen Trockenheit so von einem Sturm beschädigt, dass man ihn gefällt hat. Die übrigen Obstbäume sind kleiner und werfen also auch kleinere Schatten, wir sind also auf den Schatten angewiesen, den das Haus selbst wirft.

Irgendwann bringen wir schon mal Mate, Limonade und Wasser von oben in den Keller, ebenso Liegestühle und Picknickdecken, Holzteller und -Besteck, Pappbecher und Servietten, das Kubb- und das Boulespiel… Wir holen Grill und Grillzubehör aus meinem Kellerverschlag, ebenso den Tapeziertisch, der immer als Buffet dient. Um alles aufzubauen, ist noch nicht genug Schatten da. Dann sitzen wir im Hauseingang und warten auf den sich verspätenden Getränkelieferdienst. So läuft uns dann auch ganz kurz nach 15 Uhr die erste Gästin in die Arme. Dann sitzen wir also zu dritt im Kühlen und erzählen uns die neusten Neuigkeiten.

Gegen 15:30 Uhr (das geplante Zeitfenster war 13-15 Uhr) kommen die Getränke – ein Kasten Helles, ein Kasten alkoholfreies Radler, ein Kasten Fruchtschorlen und je drei Flaschen Sekt und Weißwein – und wir tragen sie ebenfalls in den Keller. Dann bauen wir den Tisch auf, stellen die Liegestühle auf, breiten die Picknickdecken aus… Plötzlich ist es nämlich bewölkt und das Schattenproblem gar kein Problem mehr (wäre es auch so bald nicht mehr gewesen, aber dank der Wolken kommen wir jetzt schneller zum Zug). Ungefähr in dem Moment taucht der Lieblingsnachbar mit Wassereis auf und wir gönnen uns erstmal jede*r eins, bevor wir nach oben gehen und Eiswürfel und Fressalien runterholen und mit dem Kaltstellen der Getränke beginnen.

Währenddessen kommen auch die anderen Gäste an. Wir sitzen gemütlich, erzählen viel, essen und trinken relativ wenig (es ist immer noch sooo heiß)… Aber Nudelsalat, Wassermelonensalat mit Feta und Minze, Focaccia, Baguette mit Misobutter, Salat mit Radieschen und veganem Hähnchen sowie Wassermelone, Stachelbeeren und Johannisbeeren gehen nebenbei ganz gut weg. Die Cupcakes sind den meisten leider zu mächtig. Dafür wird der Bierkasten schnell leerer

Kurz nach 19 Uhr wirft der Liebste dann den Grill an. Es gibt Bio-Bratwürste, Halloumi und gegrillten Mais. Ungefähr ab jetzt kommen auch immer mal wieder ein paar Tropfen oder gar ein leichter Sommerregen runter, aber wir freuen uns hauptsächlich über die Erfrischung, richtig unangenehm wird es nicht, draußen zu sitzen. Als der Bierkasten wirklich leer ist, holen wir noch einen Limoncello aus dem Tiefkühlfach und machen uns Limoncello Spritz.

Gegen halb 10 dämmert es dann schon deutlich und außerdem kommen die Mücken heraus. Wir räumen schnell zusammen und verteilen alles in meinem Kellerverschlag und oben in der Wohnung. Pünktlich zur Nachtruhe um 10 verabschieden sich die Gäst*innen. Der Liebste und ich räumen noch ein wenig auf, verstauen Essensreste im Kühl- und Tiefkühlschrank und sitzen dann mit dem Rest einer Flasche Sekt noch bis kurz nach 11 auf dem Balkon, lauschen dem jetzt stetig niedergehenden Sommerregen und beobachten Wetterleuchten in der Ferne.

14.07.2023 – Balkon, Bewegung, Backstube

Es ist Freitag, mein halbes Team hat Urlaub und auch sonst stehen keine Meetings an. Also gar keine. Wirklich. Einmal telefoniere ich mit einem Kollegen und ansonsten wird alles irgendwie schriftlich geregelt. Sehr entspannend.

Ich sitze im Balkon-Office, verbringe einen Großteil des Tages mit Recherchen und höre mich pflichtbewusst und neugierig durch Musik von Taylor Swift und Harry Styles. Ich bin ja inzwischen alt und kriege von der Musik der jungen Leute nicht mehr so viel mit. Um ehrlich zu sein kriege ich seit ich in Berlin wohne nicht mehr allzu viel von neuer Musik mit. Liegt wahrscheinlich nicht an Berlin selbst, sondern am Lebensabschnitt und der fehlenden Radioarbeit. Mein Musikgeschmack ist bis auf wenige Ausnahmen irgendwo 2007/2008 stehengeblieben. Das geht natürlich so nicht und also höre ich jetzt, was alle so feiern und gucke, ob da was für mich dabei ist. Dabei liegt mir TayTay mehr als Harry, glaube ich, zumindest musikalisch.

Zwischendurch kann ich nicht Musik hören, weil ich auf die Türklingel achten muss. Der Balkon ist so gelegen, dass man die leicht überhören kann. Zum Glück sind die Zeitfenster per E-Mail recht genau kommuniziert, so dass ich weder die Biokiste (inkl. des Grillguts für das Picknick morgen) noch den DHL-Boten verpasse, der das letzte Teil meiner Wunschlisten-Leerkaufs von neulich bringt.

Zwischen den beiden Lieferungen liegt auch meine Mittagspause, in der ich noch eine Einkaufsrunde drehe (eine Picknickgästin muss leider aus gesundheitlichen Gründen absagen und ich muss also noch einen Nudelsalat zubereiten), ein Sandwich esse und mit dem Mitbewohner durch seine Behördenpost gehe, übersetze und versuche nachzurechnen, wie die Arbeitsagentur auf den Betrag kommt, die sie ihm für 13 Tage Arbeitslosigkeit im April zubilligt. An letzterem Punkt scheitern wir kläglich.

Kurz nach 17 Uhr mache ich nach erfolgreichen Beenden des Wochenberichts Feierabend und mich auf auf eine Spaziergangsrunde (Schrittziel!!). Es geht durch Weißensee zum Weißen See, drumherum und dann, weil ich die Strecke in letzter Zeit so oft gelaufen bin und sie langweilig finde, mit der Tram zurück in den Prenzlauer Berg. Reicht trotzdem aus.

Wieder zuhause mache ich mir Pellkartoffeln mit Radieschen-Leinöl-Quark zum Abendbrot und hole schon mal den Focaccia-Teig aus dem Kühlschrank – drei Stunden zu früh, aber ich will ja heute auch irgendwann ins Bett. Dann sitze ich anderthalb Stunden auf dem Balkon und schaue ins Telefon, bis es Zeit ist, Cupcake-Teig anzurühren. Nach zwei Stunden Aufwärmphase kommt der Focaccia-Teig auf ein Backblech und darf dann nochmal eine halbe Stunde gehen. Dann wird er mit Olivenöl quasi übergossen, gesalzen und oreganot und geht in den Backofen. Währenddessen hacke ich Pistazien, rühre sie unter den Cupcake-Teig und fülle den Teig in Muffinförmchen.

Dann kommt die Focaccia in den Ofen und die erste Lage Cupcakes rein. Ich lagere die Focaccia auf ein Holzbrett um und nehme sie zum Abkühlen mit nach draußen auf den Balkon. (Muss dabei bleiben, Katzen!) Als die Cupcakes klingeln ist die Focaccia einigermaßen abgekühlt und kann wieder mit in die Küche. Ich schneide sie in handliche Stücken und verpacke sie bis morgen luftdicht. Die zweite Ladung Cupcakes bäckt und ich räume die Küche auf und wasche ab, dann gehe ich mit der ersten Ladung auf den Balkon. Irgendwann kommt die zweite Ladung dazu. Dann sitze ich noch einen Moment draußen, bis ich die Cupcakes für kühl genug befinde, um sie unter eine Tortenhaube zu bugsieren und mache mich bettfertig. Es ist fast Mitternacht, als ich liege.

13.07.2023 – Balkon-Office, Besorgungen, Badewanne

Puh, nach so zwei Tagen im Büro merke ich wieder, was ich am Homeoffice habe. Länger im Bett liegen bleiben, Dinge zwischendurch erledigen können, viel weniger Lärm und Unterbrechungen bei der Arbeit und mit dem Balkon-Office den wohl entspanntesten Arbeitsplatz der Welt – also wenn nicht gerade Noosa unbedingt auf meinem Schoß oder meinem Laptop sitzen will und dabei ihre Krallen durch mein dünnes Sommerkleid drückt.

Nach entspannter Morgenroutine richte ich mich jedenfalls auf dem Liegestuhl draußen ein, mit Sonnenhut, Müsli mit Aprikosen und Wasser mit Zitronenmelisse. Für eine E-Mail, die am Nachmittag rausgehen soll, muss ich mich mit verschiedenen Kolleg*innen besprechen und aus den Gesprächen dann einen Kompromiss destillieren, der möglichst alle zufriedenstellt. Das mache ich teils per Chat, teils am Telefon und während des einen Telefonats kann ich nebenbei sogar die beiden Katzenklos durchsieben. Dann habe ich noch einen Call mit Dublin, bevor ich Mittagspause mache.

Jetzt stehen erste Besorgungen des Tages an. Ich laufe zur Änderungsschneiderei und hole das Kleid ab, das mir neulich beim aus der Waschmaschine Holen gerissen ist. Sieht von außen wie neu aus, von innen hat es einen Flicken. Ob man den spürt, werde ich wohl am Wochenende feststellen. Dann geht es weiter zum Haustierbedarf. Ich brauche Katzenstreu- Nachschub und anscheinend wird meine Sorte nicht mehr geführt, weder online noch im Laden. Also suche ich mir einen Ersatz aus und werde den dann demnächst mal vorsichtig einschleichen und bei Erfolg größere Mengen online bestellen. Außerdem kommt noch ein Vorleger für das Balkonklo mit. Wieder zuhause bastle ich mir ein schnelles Mittagessen – Insalata Caprese mit Büfflemozzarella und Aprikosen statt Tomaten – und ein weiteres Stück Khachapuri.

Den ersten Call des Nachmittags führe ich mit Nürnberg und Potsdam. Danach arbeite ich nochmal weiter an der E-Mail (plus weiteres Telefonat) und schicke sie raus. Außerdem kann ich nach Rücksprache mit Kolleginnen in Biesdorf und Madrid eine weiteres Projekt bis auf Weiteres abschließen. Zwischendurch checke ich mit Blick in den Innenhof die Schattensituation, am Sonnabend werden wir dort laut Wetterbericht bei 36 Grad sitzen, das scheint aber OK zu sein.

Es folgt ein Call mit Georgia und Paris, während dem außerdem der DHL-Bote klingelt. Nach dem Call packe ich die neulich bestellten Schuhe aus und probiere sie an. Bei einem Paar bin ich ein bisschen traurig, das es nicht passt, aber es ist auch das teuerste der vier. Das zweitteuerste passt auch nicht, aber dafür die beiden günstigsten – sehr praktisch, die behalte ich.

Von links nach rechts im Preis aufsteigend

Vor dem Feierabend um 18 Uhr noch Absprachen mit Südengland. Nebenbei stelle ich mir eine Einkaufsliste und -route zusammen und bestelle Getränke für das Nachgeburtstagspicknick am Sonnabend. Pünktlich zum Feierabend ziehe ich los, erst zum italienischen Supermarkt für Zero-Zero-Mehl, Mascarpone und Pistazien, dann durch den Park (Schrittziel!) zum deutschen Supermarkt für den Rest. Auf dem Heimweg fängt es an, ein wenig zu regnen. Deshalb räume ich nach der Heimkehr erstmal schnell den Laptop nach drinnen. Dann füttere ich erst die Katzen und knete dann aus Mehl, Salz, Wasser, Hefe, Zucker und Olivenöl einen Focaccia-Teig, der zunächst zwei Stunden bei Raumtemperatur gehen und dann 24 Stunden in den Kühlschrank muss.

Jetzt ist es Zeit für mein eigenes Abendbrot. Bevor morgen die Biokiste kommt, muss noch Platz im Kühlschrank geschaffen werden. Deshalb gibt es Restsalat mit Restegurke, gebratene Zucchini mit Ei und die letzten beiden Stücken Khachapuri – und dazu eine Feierabendlimo. Gegessen wird natürlich wieder auf dem Balkon.

Nach dem Essen lege ich mich kurz in die Badewanne und telefoniere mit dem Liebsten. Gegen 22 Uhr bin ich im Bett und schaue noch eine Folge „Succession“, bei der mir aber gegen Ende schon die Augen zufallen.

12.07.2023 – Schritte noch und nöcher

Noch so eine Nacht mit bedürftigen Miezen, ständig maunzt oder krallt es irgendwo, ohne dass danach klar wäre, was sie eigentlich wollen außer kuscheln und spielen. Vielleicht fällt es ihnen bei der Wärme und den kurzen Dunkelphasen einfach schwer zu akzeptieren, dass einfach Nacht ist. Daher schlafe ich also wieder bis zum Weckerklingeln und eile mich morgens. Heute kann ich nicht mit dem Rad ins Büro, da ich meine Sporttasche dabei habe und außerdem die Vorstellung, nach dem Sport noch nach Hause zu radeln, mich überfordert. Zum Ausgleich laufe ich ins Büro und bin schon sehr nah an meinem Schrittziel, als ich um 10 Uhr dort ankomme.

Heute ist es voll, viele Kolleg*innen haben ihren festen Bürotag und außerdem sind noch drei von außerhalb Berlins da. Der Geräuschpegel und das Gewusel sind gleich viel stärker und die Stimmung ist insgesamt ausgelassen, weil zwei der Teams am Mittag zu Team-Aktivitäten aufbrechen. Ich entziehe mich dem Tohuwabohu am Vormittag so gut es geht durch laute Musik auf den Kopfhörern und versenke mich in Textarbeit. Jedenfalls so lange, bis der Liebste ein Foto vom Zeugnis des Teilzeitkinds schickt, da muss ich natürlich gleich erstmal anrufen und gratulieren. Natürlich ist das Kind nicht ganz zufrieden, weil neben den ganzen Einsen auch zwei ganze und zwei halbe Zweien auf dem Zeugnis sind. Wir versuchen das Beste, das in Perspektive zu setzen und es scheint zu gelingen.

Dann habe ich aber ein Meeting, zu sechst und rein in Präsenz, bei dem es emotional hoch hergeht – was im Laufe des Tages noch mit einigen Teilnehmenden einzeln besprochen werden muss. Danach beschäftige ich mich mit dem zweiten Grund, warum ich heute hier bin, und bereite einiges zum Versand vor. Um 14 Uhr bringe ich alles zum Briefkasten und mache dann eine späte Mittagspause.

Diesmal möchte ich endlich den gefühlt neuen georgischen Imbiss ausprobieren, direkt zwischen Schnellstraße und S-Bahn-Gleisen. Scheinbar kommen die georgischen Spezialitäten bei der Laufkundschaft nicht so gut an, große Teile der Speisekarte sind abgeklebt, dafür verkauft man erfolgreich Crêpes. Ich entscheide mich aber für ein Imeruli Khachapuri, ansonsten gibt es nur das „normale“ Khachapuri und Teigtaschen mit Rindfleisch. Der Imbisswirt spricht augenscheinlich kein Deutsch, sondern einfach Georgisch mit vielen erklärenden Gesten, dafür bereitet er mein Essen aber frisch zu, formt den Fladen aus Teig, streut Käse drüber und bäckt alles. Nach etwa einer Viertelstunde steht ein heiß dampfendes Khachapuri vor mir und ist wirklich, wirklich lecker.

Es ist allerdings viel zu groß und bei der Hitze schaffe ich nicht einmal die Hälfte gleich. Den Rest packe ich mit etwas über den Tresen gereichter Alufolie ein und nehme ihn mit zurück ins Büro. Dort ist inzwischen Ruhe eingekehrt und ich habe meinen Flügel komplett für mich. Jetzt gibt es die Musik also ohne Kopfhörer. Ich vertiefe mich nochmal für zwei Stunden in Kreatives und dann ist es Zeit für mein eigenes virtuelles Teamevent. Ich habe mir extra eine Feierabendlimo (Ingwer-Estragon) mitgebracht und kühlgestellt. Heute ist nämlich der letzte Tag dieses Sommers, an dem alle sechs Mitglieder meines Teams gleichzeitig arbeiten, bevor die allgemeine Urlaubs(-vertretungs)zeit losgeht. Wir gönnen uns eine Stunde, in der wir nicht über die Arbeit reden, dafür aber über Konzerte, Essen, Bären, Elche, Tee, Kekse, Heizungssysteme (keine Wärmepumpen) und Eiskaffee. Zwei von uns haben Katzen auf dem Schoß (ich heute mal nicht), eine einen Hund und bei einer anderen laufen Katze, Hund, Kind und Mutter durchs Bild und sagen „Hallo“. Die eine, bei der sonst immer das Kind auf dem Schoß sitzt, hat heute ausnahmsweise mal kindfrei und findet das auch ganz gut.

Nach einer Stunde ist der schöne Moment vorbei – Paris und Berlin machen Feierabend, Südengland erledigt letzte Dinge, Nordengland hat ein Meeting mit dem CEO und für Georgia und Chicago beginnt der Arbeitstag jetzt so richtig. Ich hingegen beschäftige mich noch eine halbe Stunde mit meinen Sprachlern-Apps und packe dann meinen Kram zusammen, um mit der S-Bahn zum Fitnessstudio zu fahren. Kurz vor 19:30 Uhr bin ich im Wasser und dann gibt es eine Dreiviertelstunde AquaFitness mit hochintensivem Intervalltraining. Sehr zackig heute! Hinterher gehe ich noch für eine Runde in die Sauna. Das Duschen und Fertigmachen geht heute sehr schnell, ich muss ja nicht soooo viel anziehen und bei dem Wetter gehe ich dann auch einfach mit nassen Haaren zur Bahn.

Zuhause angekommen gibt es erst Abendbrot für die Katzen in der Küche und dann für mich auf dem Balkon – den letzten Rest Okroschka und zwei Stücke Khachapuri. Ich sitze draußen, bis es dunkel ist. Dann mache ich mich bettfertig, gucke im Bett noch etwas aufs Handy und lese dann ein paar Seiten, bevor um 23 Uhr Schlafenszeit ist.

11.07.2023 – On the Road again

Vom Weckerklingeln aufgewacht nach einer extrem unruhigen und heißen Nacht, in der die Katzen abwechselnd Betreuungsbedarf hatten. Mein FitBit behauptet, ich hätte weniger als 4 Stunden geschlafen, aber das stimmt definitiv nicht. Nur zerstückelt war es, mit vielen Wachphasen. Die Morgenroutine muss verkürzt ausfallen, da ich langsam bin und eben nicht wie meist vor dem Weckerklingeln anfange. Bloggen und Sprachen lernen wird auf später verschoben und als ich mit dem Liebsten telefoniere bin ich schon am Rumwuseln – Pflanzen gießen, Katzen füttern, Rucksack packen etc. Zwischendurch ziehe ich mich mehrmals um, bis ich die richtige Kombination aus Klamotten für Hitze, Yoga am Abend und Fahrradfahren dazwischen erwischt habe. Ich war schon kurz davor, in unbequemer Kleidung in den Tag zu starten oder eben im langen Wallekleid zu gehen und doch nicht Fahrrad zu fahren.

So aber: Rucksack auf, Yogamatte auf den Rücken geschnallt, Helm auf und los. Im vorletzten Jahr bin ich sehr viel Fahrrad gefahren, letztes Jahr holte ich das Fahrrad wegen Long Covid erst im Sommer aus dem Keller, fuhr einen Tag, wurde direkt wieder krank und brachte es dann vor dem Sommerurlaub zurück in den Keller, wo es bis gestern stand. Aber ist ja wie Radfahren, ne? Allerdings bin ich noch recht langsam und aufgrund des Gepäcks wackelig unterwegs, die morgendlichen Rush-Hour-Fahrer*innen ziehen alle an mir vorbei, während ich gemütlich hinterherradle. Und am Alex stehe ich plötzlich auf der falschen Rad-Abbiegespur – die Strecke bin ich vorher maximal ein Mal gefahren. Dann bin ich aber nach 25 Minuten im Büro und konvertiere diese Aktivität für unseren Step-a-thon direkt in Schritte.

Im Büro trinke ich erst einmal viel Wasser, dann stöpsle ich meinen Laptop an und gehe in die Küche, Milch ins mitgebrachte Müsli mit Aprikosen gießen und meine Wasserflasche auffüllen. Bis 11 Uhr dann entspanntes Abarbeiten und Sachen sortieren und danach ein gut anderthalbstündiges Meeting – drei vor Ort, zwei zugeschaltet aus Lichtenberg und Biesdorf. Hinterher noch kurzes Nachbereiten und dann mache ich 13 Uhr Mittagspause. Heute habe ich mal Lust auf was Anderes und spaziere über den Fluss in den Westen (eigentlich Süden, Kreuzberg halt). Dort hole ich mir in einer Bäckerei bei der C-Base ein Körnerbrötchen mit Serrano-Schinken und damit setze ich mich dann zurück im Osten auf eine Bank mit Spreeblick.

Ich schaue aufs Wasser, esse, blogge und höre dann noch dem Gespräch dreier Abiturient*innen zu, die sich nach Wochen wiedergetroffen haben, sich erzählen, wie es weitergeht – jobben, Praktikum, Studium… – und was im Beziehungsleben seit dem letzten Treffen passiert ist. Einiges. Auch gruseliges, mit Exfreunden auf der Flucht vor der Polizei, wenn das alles der Wahrheit entspricht. Berlin, ey.

Pünktlich zum nächsten Meeting gehe ich zurück ins Büro und bespreche dann eine halbe Stunde lang Dinge mit meiner Chefin in Nordengland. Dann Raumwechsel zum nächsten Call – zwei vor Ort, je eine*r in Prag, London und Dublin. Hinterher habe ich ein paar Minuten Meetingpause und vertiefe mich übersetzend in ein Projekt. Dann Call mit Paris und Georgia, nochmal kurze Übersetzungsphase und dann der nächste Call, mit Dublin, plus die entsprechende Nacharbeit und kurz danach ist schon Zeit für eine Stunde Teammeeting ab 17 Uhr – mit Nordengland, Südengland, Paris, Georgia und Chicago. 6 Meetings heute insgesamt, puh.

Nach dem Teammeeting verlasse ich das Büro wieder und fahre mit dem Fahrrad zum Yoga. Es ist immer noch unglaublich heiß. Am Alex nervige Fußgänger*innen mit Kopfhörern auf (das bin sonst ich), in der Fahrradstraße eine nicht blinkende Autofahrerin, im Prenzlauer Berg unangenehme Steigungen, im Mauerpark viele viele Menschen auf dem Weg, dann nochmal ne fiese Steigung an der Brücke über die Ringbahngleise und dann ist es Smooth Sailing bis zur Ankunft. Genießen kann ich das nicht mehr, ich bin außer Puste und völlig durchgeschwitzt. Die 20 Minuten, bis die Yoga-Stunde beginnt, brauche ich zum Wassertrinken und Puls beruhigen. Ich liege einfach auf meiner Matte, bis alle anderen da sind und schicke dem Liebsten ein erschöpftes Selfie.

Wir machen zu viert Yoga und ich bin erstaunlicherweise beweglicher als sonst und kann Dinge, die ich sonst nicht kann – allerdings auch nicht alle. Es ist jedenfalls nicht zu anstrengend, genau richtig fordernd und beim Shavasana bin ich zwischendurch richtig weg (laut FitBit aber nicht eingeschlafen, auch wenn es sich kurz so anfühlte). Auf dem Heimweg schiebe ich dann mein Fahrrad, denn ich habe zwar durch das Konvertieren von je einer Stunde Fahrrad fahren und Yoga machen mein Step-a-thon-Schrittziel längst erreicht, mein normales FitBit-Schrittziel jedoch noch nicht, denn das rechnet Fahrradfahren nicht in Schritte um. Also spaziere ich gemütlich im Hellen nach Hause.

Kurz nach 21 Uhr komme ich an, schließe mein Fahrrad an, füttere die Katzen, packe meinen Rucksack aus und setze mich mit einer großen Portion Okroschka und Feierabendlimo (Dattel-Granatapfel) auf den Balkon. Noch im Hellen esse ich, quatsche kurz mit dem Mitbewohner und kümmere mich um meine Biokistenbestellung für diese Woche. Als es dämmert, sind die Sprach-Apps dran und kurz nach 22 Uhr gehe ich im Dunkeln nach Drinnen, dusche noch, lege mich dann ohne Lesen ins Bett und schlafe zu einem Podcast über Krabat ein.