Der Morgen beginnt früh, nach erstaunlich gut durchschlafener Nacht (aber insgesamt nur ca. 6 Stunden Schlaf) wache ich kurz vor dem Weckerklingeln auf, weil der Liebste sich regt. Noosa hat sich unter dem Bett verkrochen, Nimbin wird später verschlafen aus dem Schrank steigen. Der Liebste regt sich jedenfalls und schläft dann aber tief und fest weiter, während ich schnell in die Küche schlüpfe und Kaffee koche. Zum Weckerklingeln um 6:30 Uhr steht der Kaffee dann schon auf dem Nachttisch und es wird ein entspannter kurzer gemeinsamer Morgen mit Kuscheln, Internet leerlesen und sich gegenseitig lustige Bildchen zeigen. Kurz nach 7 steht der Liebste auf und fährt zurück nach Südberlin – das Teilzeitkind fährt nämlich auf Klassenfahrt und verbringt anderthalb Stunden vorher bei ihm, weil seine Mama schon arbeiten muss und dann muss natürlich auch dem Bus nachgewunken werden.
Ich stehe dann auch bald auf, ich habe eine medizinische Probe zu produzieren und in die Facharztpraxis zu bringen. Auf dem Hinweg esse ich als schnelles Frühstück eine Banane und höre außerdem weiter den „Alles gesagt“-Podcast mit Renate Künast. Den höre ich auf dem Rückweg auch und außerdem kaufe ich Erdbeernachschub am Erdbeerhäuschen. Wieder zuhause mache ich mir Erdbeermüsli und sitze dann ab 9:30 Uhr im Balkon-Office.

Ich lese mich durch E-Mails und Chat-Nachrichten, bringe das Projektmanagement-Tool auf den neuesten Stand und erfahre, dass meine Managerin zum vierten Mal Covid hat – zum zweiten Mal in diesem Jahr. Sie lebt ja in England und hat damals soweit ich weiß nur zwei Dosen AstraZeneca bekommen und in England ist die Pandemie ja auch schon viel länger vorbei als im Rest der Welt. Zum Glück steckt sie die Infektionen immer erstaunlich gut weg – Pferdemädchen mit Pferdenatur, steht auch mit Fieber morgens früh im Stall und mistet aus. Aber zumindest fällt damit heute unser Team-Meeting aus, auch weil die beiden amerikanischen Kolleg*innen Juneteenth feiern.
Es bleiben damit nur zwei Meetings übrig, ansonsten kann ich recht entspannt an verschiedenen Dingen arbeiten – eine Rundmail verfassen und abstimmen, ein Präsentationsdeck vorbereiten und die Präsentator*innen einloopen, aus einem letzte Woche geschriebenen Langtext einen Dialog „fingieren“, ein letzte Woche geführtes Interview anfangen zu transkribieren… Zwischendurch meldet sich eine liebe Freundin aus Rostock, die im Namen der Musik in der großen Stadt ist, und wir verabreden uns für den Abend als einzig möglichen Zeitslot für ein Treffen.
In der Mittagspause befreie ich den letzte Woche angesetzten Holunderblütenzucker von den Dolden, zermörsere größere Klumpen und fülle alles in ein leeres Nutellaglas. Dann esse ich den Rest des Mangosalats von gestern in dem Liegestuhl, in dem ich nicht zur Arbeit sitze – abschalten kann ich. Am Nachmittag mache ich nochmal eine kurze Pause und bereite mir eine Henkersmahlzeit zu, bevor ich dann insgesamt rund 18 Stunden nichts mehr essen darf, weil morgen früh ein weiterer medizinischer Test ansteht. Es gibt Stulle mit Butterschmalz, Ei, Kaviar und Balkonschnittlauch.

Ich arbeite noch bis 18 Uhr und klappe dann den Laptop zu und baue das Balkon-Office für heute ab. Die Katzen bekommen Abendbrot, ich bediene endlich meine Sprachlern-Apps, telefoniere nochmal in Ruhe mit dem Liebsten, gehe beim Lieblingsnachbarn Blumen gießen und dann mache ich mich wieder zu Fuß und Podcast hörend auf den Weg in eine Kneipe im (erweiterten) Kiez, irgendwo auf dem Hinweg sagt das FitBit Bescheid, dass ich mein Schrittziel erreicht habe.
Vor der Kneipe sitzen die Freundin aus Rostock und ihr Freund und nach und nach gesellen sich auch andere hinzu. Ich trinke Wasser und wir erzählen (Gesundheit, Musik, Konzerte) und schicken Geburtstagsgrüße an eine gemeinsame Freundin. Dann gehen wir rein zum Konzert von The Great Crusades aus Chicago, das viel Spaß macht.

Ich habe allerdings auch die kurze Nacht, die Wärme, das viele Laufen und das fehlende Abendbrot in den Knochen und werde schnell müde. Konzertschluss ist wegen Auflagen 22:00, ich mache mich aber schon 20 Minuten früher auf den Heimweg und laufe durch die Dämmerung nach Hause. Kurz vor dem Bett ist der Podcast vorbei und als ich drin liege sind schon wieder über 16.000 Schritte auf der Uhr. Kurz nach halb 11 mache ich das Licht aus und schlafe in Sekundenschnelle ein.